Amphibienschutz

Grasfrosch (Foto: Roland Steinwarz)
Grasfrosch (Foto: Roland Steinwarz)

Zu den Amphibien zählen Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zur Fortpflanzung auf Gewässer angewiesen sind. Ihre Ansprüche sind dabei jedoch ganz unterschiedlich. Und auch ihre sonstige Lebensweise ist bei jeder Art anders.

 

Bevor der Mensch die Landschaft an seine Ansprüche anpasste, nutzten Amphibien natürliche Seen, bewohnten die Kiesbänke der ungezähmten Flusse mit ihren zahlreichen Tümpeln und Pfützen, die mal mehr, mal weniger Wasser führten, oder lebten in den noch intakten Auwäldern, Sümpfen und Mooren.

 

Doch der Mensch veränderte die Landschaft. Trotzdem überlebten die Amphibien, indem sie sich anpassten und neue Lebensräume fanden, die zumeist vom Menschen selbst (unbeabsichtigt) geschaffen wurden. Dazu zählten Fisch- und Mühlteiche, Wassergräben, Viehtränken und vieles mehr. Die Geburtshelferkröten zogen sogar von den begradigten Flüssen in aktive Steinbrüche um, wo sie warme offene Geröllhalden und Gewässer fanden. Durch die Intensivierung und Industrialisierung der Nutzungen gingen jedoch viele dieser Refugien wieder verloren. Daher sind viele Arten heute auf intensiven Schutz angewiesen.


Gewässer für Gelbbauchunken

Bei Gefahr können sich Gelbbauchunken auf den Rücken legen und ihren warnfarbenen Bauch zeigen, um Feinde zu warnen. (Foto: Roland Steinwarz)
Bei Gefahr können sich Gelbbauchunken auf den Rücken legen und ihren warnfarbenen Bauch zeigen, um Feinde zu warnen. (Foto: Roland Steinwarz)

Gelbbauchunken nutzen zum Laichen Tümpel mit geringer größe und Wassertiefe. Wichtig ist, dass die Kleinteiche zwar das Wasser halten, aber dennoch hin und wieder austrocknen. Darum spricht man von Temporärgewässern. Der Hauptfeind von Kaulquappen der Gelbbauchunken sind Libellenlarven. Da diese mindestens zwei Jahre im Wasser verbringen, verhindert das Trockenfallen deren Vermehrung.

Solange es derartige Tümpel in der Landschaft verteilt gab, fanden die Gelbbauchunken immer ein geeignetes Gewässer. Da ihre Ansprüche nicht sonderlich hoch sind, nuztzen sie manchmal sogar Pfützen in Fahrspuren von Traktoren. Doch die aufgeräumte Kulturlandschaft bietet keinen Lebensraum; Siedlungen, Straßen und riesige Felder trennen die letzten kleinen Populationen, die zumeist in aktiven Steinbrüchen oder Naturschutzflächen mit künstlichen Gewässern überleben.

 

Der NABU Rhein-Sieg besitzt mit dem Steinbruch Eulenberg eines der letzten Vorkommen dieser Amphibienart. Unterschiedlich gestaltete Temporärgewässer bieten einer kleinen, aber stabilen Population eine Heimat.

Auch auf einigen unserer anderen Flächen, so z.B. auf der Orchideenwiese in Eitorf-Käsberg und der Feuchtwiese in Much-Niederhof haben wir entsprechende Teiche angelegt, um die teils weit auseinanderliegenden Vorkommen duch "Trittsteine" zu verbinden. Dieses System nennt sich Biotopverbund und ist die einzige Möglichkeit, den Austausch von genetischem Material zwischen den isolierten Populationen zu ermöglichen. Bisher wurden diese Teiche jedoch nur von Grasfröschen genutzt.


Sorge um fürsorgliche Geburtshelferkröten

Männliche Geburtshelferkröte mit Eigelege (Foto: Roland Steinwarz)
Männliche Geburtshelferkröte mit Eigelege (Foto: Roland Steinwarz)

Geburtshelferkröten betreiben Brutpflege. Nach der Paarung befestigt das Männchen die befruchtete Eischnur an den Hinterbeinen. Es trägt sie mit sich und schützt die in den Eiern heranwachsenden Tiere so vor Fraßfeinden. Erst kurz vor dem Schlüpfen der Kaulquappen bringt das fürsorgliche Elterntier die Eier zum Wasser, wo dann die relativ weit entwickelten Larven schlüpfen. Die Kaulquappen sind im Vergleich zu anderen heimischen Amphibienlarven sehr groß. Interessant ist auch, dass diese teilweise im Gewässer überwintern und sich erst im folgenden Frühling zu adulten Tieren entwickeln.

 

Geburtshelferkröten nutzten einst die stehenden Gewässer zwischen den offenen Kiesbänken der Gebirgsflüsse. Heute gibt es durch die Begradigung und Eindeichung der meisten Flüsse nur noch sehr wenige dieser natürlichen Lebensräume. In Steinbrüchen, in denen noch abgebaut wird, fanden sie jedoch eine neue Heimat. Solange die Steinbrüche in Betrieb sind, bleiben die Felswände und Schotterhalden offen. Das Wasser wird größtenteils abgepumt, sodass nur flache und dadurch warme Teiche übrig bleiben. Somit entspricht dieser Lebensraum am ehesten den früheren Kiesbänken.

 

Viele Steinbrüche wurden mit der Zeit aufgegeben, weil sich der Abbau nicht mehr lohnte. Die tieferen Abbaukrater liefen mit Wasser voll, Sträucher und Bäume eroberten sich die Gebiete zurück, wodurch die Sonne und Wärme für die Geburtshelferkröten zurückging. Damit verschwanden abermals viele Vorkommen dieser Art.

Das Naturschutzgebiet Eulenberg ist ein solcher aufgegebener Steinbruch. Doch durch die Arbeit des NABU Rhein-Sieg konnte nicht nur der Lebensaum für Gelbbauchunken, sondern auch das Vorkommen der Geburtshelferkröte gesichert werden. Dennoch geht der Bestand allmählich zurück, was uns viel Sorge bereitet. Daher wurde im Frühjahr 2017 ein neuer Teich speziell für diese Art angelegt. Nun hoffen wir, dass die Tiere das neue Refugium besiedeln und sich wieder vermehren.


Krötenzäune und Straßensperrungen

Kinder helfen den Kröten über die Straße
Kinder helfen den Kröten über die Straße

Alljährlich wandern die Erdkröten im Frühjahr von ihren Winterruheplatzen in den Wäldern zu den Fischteichen und anderen Seen, in denen sie Laichen. Bei ihrer Wanderung müssen die Tiere jedoch häufig Straßen überqueren, wobei mittlerweile so viele Erdkröten sterben, dass ihre Bestände bedroht sind. Daher ist es wichtig, die Tiere durch Krötenzäune sicher zu leiten oder die Straßen für die Wanderungszeit zu sperren. Der NABU Rhein-Sieg beteiligt sich vor allem mit seinen Kinder- und Jugendgruppen an den Aktionen, bei denen die Zäune aufgebaut und die Tiere zum Teil in Eimern über die Straße getragen werden müssen, sofern keine Krötentunnel vorhanden sind.

 

Auch Feuersalamander sind an einigen Orten der Gefahr durch Straßen ausgesetzt, in den letzten Jahren ist hier glücklicherweise viel zu ihrem Schutz getan worden.