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Das Massensterben der Kröten

Eine männliche Erdkröte lässt sich von einem Weibchen tragen. Die Reise der beiden ist gefährlich. Foto: Roland Steinwarz
Eine männliche Erdkröte lässt sich von einem Weibchen tragen. Die Reise der beiden ist gefährlich. Foto: Roland Steinwarz

 

Rhein-Sieg-Kreis. In den letzten Tagen haben sich vielerorts die Erdkröten auf den Weg zu den Laichgewässern gemacht. Sobald die ersten Nächte mit 6-10 Grad warm bleiben und vielleicht noch etwas feucht sind, begeben sie sich auf die Wanderschaft.

 

 

Erdkröten (Bufu bufo) sind Amphibien und leben die meiste Zeit an Land, am liebsten in Wäldern. Zur Fortpflanzung wandern sie jedoch zu stehenden Gewässern wie Seen und Teichen. Dort paaren sie sich während des Laichens. Der Laich, also die Eier, werden dabei als Schnüre um Pflanzenstängel gewickelt. Erdkröten-Weibchen können bis zu 20 Jahre alt werden und in ihrem Leben ca. 7- bis 8-mal Laichen. Männchen werden weniger alt und wandern dafür jedes Jahr. Kurz nach der Paarung wandern die Tiere wieder zurück. Die Jungtiere folgen im Juni, nachdem sie geschlüpft sind und sich von den Kaulquappen genannten Larven zu kleinen Kröten entwickelt haben.

 

 

Doch die Wanderung ist für die Amphibien, von denen neben Erdkröten auch Grasfrösche, Feuersalamander und Fadenmolche wandern, mittlerweile die gefährlichste Lebensphase geworden. Jedes Jahr findet auf unseren Straßen ein wahres Gemetzel statt. Dutzende Tiere fallen dabei an nur einem Straßenabschnitt den Autoreifen zum Opfer – jede Nacht. Tausende allein im Rhein-Sieg-Kreis. In der Morgendämmerung nutzen Krähen, Marder und andere Aasfresser das grausige Bankett, sodass schon bei Sonnenaufgang nichts mehr zu sehen ist, als ein paar Flecken im Asphalt.

 

 

Nun sollte man meinen, dass es Bemühungen gibt, dieses Massaker zu verhindern. Tatsächlich werden an vielen betroffenen Straßenabschnitten Amphibienzäune aufgebaut, meist aus grünen Gewebeplanen. Wenn die Erdkröten auf dieses Hindernis treffen, laufen sie am Zaun entlang und fallen in die alle paar Meter eingegrabenen Eimer, aus denen sie am nächsten Morgen von zumeist ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern gerettet, gezählt und anschließend auf der anderen Straßenseite ausgesetzt werden. Weil Auf- und Abbau sowie die tägliche Kontrolle der Zäune sehr aufwendig sind, wurden mancherorts dauerhafte Bauten aus Stahlblechzäunen und Tunneln gebaut, die den Tieren eine gefahrlose Unterquerung ermöglichen. Besonders für Nebenstraßen ist es eine Alternative, diese für die Zeit der Wanderung einfach zu sperren.

 

So traurig endet die Wanderung vieler Kröten. Foto: Roland Steinwarz
So traurig endet die Wanderung vieler Kröten. Foto: Roland Steinwarz

Warum also weiterhin dieser tausendfache Krötentod? Das hat verschiedene Gründe.
Die mobilen Zäune sind wie bereits erwähnt teuer, aufwendig und es gibt oft nicht ausreichend Helfer/Helferinnen. So werden die Rettungsaktionen einfach gestrichen oder nur halbherzig durchgeführt und die Tiere damit ihrem Schicksal überlassen.

 

Falls ersatzweise Dauerzäune gebaut werden, ist oftmals schlicht Inkompetenz im Spiel. So gibt es an der K 36 zwischen Stein und Adscheid (Hennef) zwar seit Jahren Krötentunnel. Diese sind jedoch viel zu klein, sodass Kröten nicht hindurch gehen. Zudem wurden sie vor ein paar Jahren mit Asphalt bedeckt, sodass sie sich nicht mal mehr reinigen lassen. Die Krötenpopulation ist hier fast gänzlich ausgestorben. Gegenüber wurde die K 19 zwischen Stein und Stadt Blankenberg gerade erst saniert, auch ein schicker metallener Krötenzaun samt zweier großzügiger Tunnel wurden dabei eingebaut. Jedoch ist die Anlage zu kurz, ein paar Meter weiter ist die Straße voll toter Erdkröten. Außerdem ist der Zaun nur auf einer Straßenseite: Die zurückkehrenden Tiere müssen ungeschützt über die Straße, und wer das überlebt, steht plötzlich auf der falschen Seite des Zauns, ohne Möglichkeit ihn zu überwinden.

 

 

All diese Fehler verdammen diese Krötenpopulationen letztlich zum Aussterben. Und in vielen Teilen sind die Populationen bereits eingebrochen oder verschwunden. Praktisch, denn hier braucht auch kein teurer Zaun mehr gebaut und gepflegt zu werden.

 

 

Der NABU Rhein-Sieg erhält wie andere Naturschutzvereine jedes Jahr dutzende Meldungen über mangelnde Vorkehrungen zum Amphibienschutz. Die ehrenamtlichen Naturschützer versuchen, mit eigenen Zaunaktionen zu helfen. So wurde zum Beispiel kurzfristig ein mobiler Zaun an der K19 als Ergänzung des Stahlzauns errichtet. Doch es sind einfach zu viele Stellen, wir kommen nicht nach.

 

 

Wir bitten daher die zuständigen Behörden der Kommunal- und Kreisverwaltung, endlich ernsthaft mit diesem Thema zu verfahren und die bedrohten Tiere angemessen zu schützen. Gut gebaute Leitvorrichtungen und Tunnel wie an der Schmelztalstraße/L 87 sind nachgewiesenermaßen die beste Lösung. Sie sind zwar teuer im Bau, rechnen sich aber auf lange Sicht. Davon brauchen wir mehr!


Und wir bitten Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich nach Möglichkeit ebenfalls einzubringen. Sei es, beim Autofahren besser aufzupassen, gefährdete Bereiche zu melden oder sich sogar während der Krötenwanderung als Helfer oder Helferin zu engagieren.