Die Blumenwiese

Noch bis Mitte des 20. Jahhunderts wurden viele Wiesen im Vergleich zu heute eher extensiv genutzt. Es wurde selten mehr als zweimal im Jahr gemäht, Überdungung war aufgrund der an die Flächengröße angepassten Viehbestände kaum ein Problem. Äcker wurden zwar schon lange maschinell bearbeitet, doch waren sie kleinteiliger und mit verschiedenen Früchten bestellt, und breite Feldreine an Wegrändern waren keine Seltenheit. Somit konnten auch Blumen auf den Wiesen und Feldern gedeihen, Insekten hatten genug Zeit für ihre Entwicklung, und die unterschiedliche Nutzung von Weiden, Heu- und Streuwiesen bot verschiedensten Arten Lebensräume.

Mit der immer weiter zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft, bei der aus jedem Quadratmeter das Maximum an Ertrag geholt werden muss, wichen Blumenwiesen Monukulturen aus Weidegras, Felder wurden zusammengelegt, Hecken verschwanden und gepflügt wird nun bis an die Wegkante. Überdüngung aufgrund riesiger Viehbestände und der ausartende Pestiziteinsatz taten ihr übriges.

Hinzu kommt die immer schneller voranschreitende Bebauung durch Siedlungen, Gewerbeparks und Straßen. Der Flächenfraß zerstört wertvollen Lebensraum unwiederbringlich.

Selbst in den Gärten verschwand die einstige Vielfalt. Obstbäume und Wildblumen machen schließlich Dreck und Arbeit, und so wichen sie eintönigen Rasenflächen, Schotterwüsten und Kirschlorbeerhecken.

 

Nachfolgend bieten wir Ihnen Tipps, mit denen Sie Ihren Garten wieder in ein Paradies für Insekten verwandeln können.


Vom Rasen zur Blumenwiese


Ein NABU Mitglied stellte 2018 seinen Vorgarten in Troisdorf zur Verfügung, um den bisherigen Rasen in eine Blumenwiese zu verwandeln. Einen großen Teil der Arbeiten hat er in Eigenleistung erbracht, erhielt jedoch viel Unterstützung von den Kollegen seiner Kreisgruppe. Das Experiment zeigt, wie schnell eine solche Verwandlung vonstatten gehen kann, und dass das Ergebnis bei Nachbarn und Bekannten sehr gut ankommt, ja sogar zur Nachahmung anregt. Natürlich ist der Versuch damit noch nicht beendet, wir werden in den nächsten Jahren die weitere Entwicklung der Blumenwiese beobachten: Welche Blumen kommen wieder? Wird es Probleme mit "Unkräutern" geben? Wie entwickelt sich die Insektenvielfalt? Selbstverständlich werden wir darüber laufend berichten.

Hier nun die Arbeitsschritte, die notwendig waren:

Die Grasnarbe muss entfernt werden. Bei größeren Flächen erleichtert eine Rasenschälmaschine die Arbeit ungemein, die man im Mietservice bei Werkzeugvermietern bekommen kann. Nachstehend ein Foto nach dem Einsatz der Rasenschälmaschine mit Entfernung der Grasnarbe von Hand.

Nach Entfernung der Grasnarbe muss der Boden tiefgründig durchgepflügt werden. Das geschieht am zweckmäßigsten mit einer Benzinmotoregge.

Auf dem zweiten Foto sieht man drei Arbeitsschritte:

Links wurde nach dem Pflügen bereits Sand aufgebracht zur Abmagerung des Lehmbodens. Eine Abmagerung des Lehmbodens mit Sand ist erforderlich, um überhaupt Wildstauden anpflanzen zu können.

In der Mitte sieht man den gepflügten Lehmboden.

Rechts sieht man die Rasenfläche nach Entfernung der Grasnarbe.

Zur Abmagerung des verdichteten Lehmbodens wurden auf der Rasenfläche von ca. 100 qm eine Sandmenge von 8 Tonnen Sand in den Boden mit der Benzinmotoregge eingearbeitet.

Danach wurden nochmals 4 Tonnen Sand auf der Oberfläche verteilt und ca. 140 Stauden eingepflanzt. Zum Teil wurden Lavendel und Schmetterlingsflieder in Gartenfachbetrieben erworben.

 

Nachdem die Stauden eingepflanzt waren, wurde die Aussaat von Samenmischungen aus dem Fachhandel in den Boden eingebracht. Es wurden verschiedene Samenmischungen ausgesät. Zum einen der wärmeliebende Saum und die Feldblumenmischung von der Firma Rieger-Hofmann. Der wärmeliebende Saum zeichnet sich durch eine hohe Artenvielfalt am sonnigen Standort aus. Die Feldblumenmischung führt zu einer schnellen Blüte mit einjähriger Ackerbegleitflora. Zusätzlich wurde Klatschmohn und langblättriger Ehrenpreis von der Loki-Schmidt-Stiftung eingesät.

Auch wurde im Schattenbereich eine standortgerechte spezielle Samenmischung der Wildstaudengärtnerei Strickler aus Alzey eingesäat, da die sonstigen Saatgutmischungen i.d.R. zu viele Gräser enthalten. Diese sind aber oftmals zu konkurrenzstark, so dass die Blütenvielfalt verdrängt wird und dadurch die Blütenvielfalt leidet.

 

Schon wenige Wochen nach Fertigstellen der Arbeiten keimten die ersten Pflänzchen. Es dauerte nicht lange, und die neue Blumenwiese erstrahlte in voller Pracht. Auch Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Käfer vielen sogleich über den reich gedeckten Tisch her. Wo wenige Monate zuvor noch eintöniger Rasen war, herrschte nun geschäftiges Treiben. Ein Anblick, der die Arbeit mehr als entlohnt!

 

Eine Liste der verwendeten Stauden finden Sie übrigens hier.

 

Dieses Foto zeigt nochmal den Kontrast zwischen Rasen und Blumenwiese (Foto: R. Steinwarz)
Dieses Foto zeigt nochmal den Kontrast zwischen Rasen und Blumenwiese (Foto: R. Steinwarz)

Eine weitere Möglichkeit: Wildblumenmatten

Wildblumenmatten sind Fliesmatten, in die junge Pflanzen von Wildblumen eingenäht sind. Wildblumenmatten ergeben einen ganz dichten Bewuchs mit Wildblumen an dieser Stelle. Die einzelnen Blumen werden zwischen 30 cm und 120 cm hoch. Es gibt sie für Sonne, Schatten, Halbschatten. Jetzt auch extra für Bienen und Schmetterlinge. Der Flies verhindert, das Gras oder anderes Unkraut durchwächst. Praktisch ist auch, dass man keine Grasnarbe abheben muss, sondern sie einfach auf die entsprechende Stelle legen kann. Der Zwischenraum zwischen den Pflanzen wird mit etwas Sand belegt, dann muss die Stelle sechs Wochen feucht gehalten werden, bis die Wurzeln die Pflanze selbst versorgen können.

Weitere Informationen und Bezugsmöglichkeit hier


Für Sparfüchse: seltener Mähen

Wer auf seinem Rasen etwas mehr Blumen haben möchte, dabei aber wenig Arbeit und Geld investieren möchte und vielleicht doch ganz gerne einen "ordentlichen" Vorgarten liebt, kann einfach seltener mähen. Einige Pflanzen sind an häufiges Abfressen und Mähen angepasst, so z.B. Weiß-Klee, Gänseblümchen, Gundermann, Günsel und Löwenzahn. Auch kommen diese Pflanzen mit reichlich Nährstoffen zurecht.

Wer zudem seinen Rasen bisher nie gedüngt hat und stets das Schnittmaterial entfernt, erreicht auch so über die Jahre eine Ausmagerung des Bodens. Das kann wiederum Pflanzen fördern, die z.B. auf speziellen Magerrasen gedeihen. Alle diese Pflanzen kommen aber erst zur Blühte, wenn nur alle 3-4 Wochen gemäht wird und ab und an auch größere Pausen eingelegt werden, wenn der Graswuchs es zulässt. Denn zu hohes Gras mögen sie wiederum auch nicht. Mit der Zeit werden diese Blumen wahrscheinlich von selbst kommen, wer es schneller haben möchte kann natürlich auch Samen von Gänseblümchen, Klee usw. aussähen. Wenn vereinzelt mal eine größere Blume oder Staude aufkommt, einfach drum herum mähen.

Und für alle, die zwar selbst wenig auf einen Rasen halten, aber ihn als representatives Element ihres Hausgartens vorzeigen möchten: Einfach den Mähtermin kurz vor den angekündigten Familienbesuch setzen!

Wird gerne von Bienen und Schmetterlingen besucht: Weiß-Klee (Foto: R. Steinwarz)
Wird gerne von Bienen und Schmetterlingen besucht: Weiß-Klee (Foto: R. Steinwarz)
Gänseblümchen profitieren sogar von häufiger Mahdt. (Foto: R. Steinwarz)
Gänseblümchen profitieren sogar von häufiger Mahdt. (Foto: R. Steinwarz)


Noch einfacher: Nichtstun

Naja, Nichtstun wäre wohl zuviel des Guten. Worauf wir hinaus wollen: Wer bereits in einer Umgebung wohnt, in der Wildblumen vorkommen, und wenig investieren möchte, kann den vorangegangenen Tipp ins Extreme treiben. Wildblumen verteilen ihre Samen oft über größere Entfernungen, sodass es nicht unwahrscheinlich ist, dass diese dann auch in Ihrem Garten vorkommen. Beschrängt man die Mahdt zumindest auf einigen Flächen auf ein bis drei mal im Jahr, oder entfernt sogar nur die trockenen Reste im Frühling, werden mit der Zeit mehr und mehr Blumen Einzug halten. Der Vorteil: Diese Arten sind bereits an den Standort angepasst, Sie brauchen also keine arbeits- und kostenintensiven Maßnahmen wie bei der erstgenannten Variante. Auch müssen Sie sich wenig Sorgen über den Fortbestand der Blumen machen. Es ist lediglich darauf zu achten, dass zu dominante Arten wie Brennnesseln, Acker-Kratzdisteln oder Brombeeren nicht Überhand nehmen. So stellen sich dann je nach Standort überwiegend Allerweltsarten ein, wie Johanniskraut, Hahnenfuß, Rot-Klee, Weiß-Klee, Günsel, Gundermann, Beinwell, Wiesen-Bärenklau, Giersch, Lichtnelken, Wilde Möhre, Wegwarte, Schafgarbe, Löwenzahn, Blutweiderich, Wiesen-Schaumkraut, Weidenröschen, Gewöhnliche Kratzdistel und viele weitere. Wer diesen Prozess beschleunigen möchte, kann natürlich in der Umgebung Samen sammeln und im Garten ausbringen, oder vereinzelt mal robuste Stauden hinzu pflanzen. Mit etwas Glück wachsen sogar seltenere Arten. Schön anzusehen sind diese Blumen allemal, und meistens ist immer irgendwas am blühen.

In den meisten innerstädischen Bereichen wird man allerdings aufgrund des Mangels natürlich vorkommener Samen mehr Aufwand betreiben müssen.

Auf dieser Wiese (nährstoffreicher Lehmboden, Nordhang) blühen im Frühsommer Günsel, Löwenzahn, Rote Lichtnelke, Kriechender Hahnenfuß, Beinwell. Nichts hiervon wurde künstlich eingebracht.
Auf dieser Wiese (nährstoffreicher Lehmboden, Nordhang) blühen im Frühsommer Günsel, Löwenzahn, Rote Lichtnelke, Kriechender Hahnenfuß, Beinwell. Nichts hiervon wurde künstlich eingebracht.
Eine Hummel an Beinwell-Blüte
Eine Hummel an Beinwell-Blüte
Disteln werden gerne von Schwebfliegen, Hummeln und Schmetterlingen besucht
Disteln werden gerne von Schwebfliegen, Hummeln und Schmetterlingen besucht
Ein Schmalblättriges Weidenröschen
Ein Schmalblättriges Weidenröschen


Zum Thema Unkraut

Was Unkraut ist und was nicht, da scheiden sich die Geister. Selbst Gräser können zum Unkraut werden, wenn sie in unseren Blumenwiesen die Blumen verdrängen. Brennnesseln z.B. können durchaus nerven, insbesondere wenn sie in Wegnähe und an Beeten stehen oder Überhand nehmen. Zugleich sind sie unverzichtbar für die Vorkommen vieler Tierarten. So entwickeln sich z.B. die Raupen von Admiral und Kleinem Fuchs an ihnen. Hahnenfuß und Giersch macht sich gern in Beeten breit, ihre Blüten werden aber von vielerlei Insekten aufgesucht. Somit sollte man zumindest in Bereichen, wo sie nicht stören, einige dieser "Unkräuter" erhalten. Schließlich sind auch sie ein Teil der Vielfalt der Natur.